Stöhnen unter der Steuerlast
Zündstoff
Kalt erwischt. Mit unseren Steuern finanziert der Staat, was allen zugute kommt: Straßen, Schulen, die Polizei. Im Prinzip gilt im deutschen Steuerrecht, wer mehr verdient, dessen Einkommen wird höher besteuert. Doch die Sache hat einen Haken: Mit jedem extra verdienten Euro steigt die Einkommenssteuer – und zwar stärker als das Einkommen selbst. Frisst nun die Inflation schon die gesamte Lohnerhöhung, ist der Steuerpflichtige der Dumme. Er zahlt mehr Steuern, und kann sich vom Nettolohn jetzt weniger leisten als vormals vom niedrigeren Gehalt. Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung hat errechnet, dass Steuerzahler mit kleinen Einkommen von der sogenannten kalten Progression am stärksten betroffen sind.
Rabatt für Blumen. 2007 hob die Große Koalition den allgemeinen Mehrwertsteuersatz von 16 auf 19 Prozent an – die stärkste Erhöhung dieser Abgabe seit Bestehen der Bundesrepublik. Aber nicht auf alles werden 19 Prozent fällig. Mieten und Arzthonorare beispielsweise bleiben steuerfrei, auf die meisten Lebensmittel sind nur 7 Prozent Mehrwertsteuer zu entrichten. Dieser ermäßigte Steuersatz gilt auch für Schnittblumen und Tierfutter. Beim Kauf eines Rollstuhls sind gleichfalls nur 7 Prozent Mehrwertsteuer fällig – auf Medikamente aber werden die vollen 19 Prozent erhoben.
Total verschuldet. Der Bürger entrichtet Steuern, damit der Staat seinen Aufgaben nachkommen kann. Mittlerweile geht aber nach Berechnungen des Bundes-finanzministeriums jeder siebte Euro, den der Fiskus kassiert, in den Schuldendienst – nur zur Begleichung der Zinsen. Für 2010 rechnet Minister Peer Steinbrück mit einer Neuverschuldung von etwa 86 Milliarden Euro – es werden also bald weitere Zinsen fällig. Um an frisches Geld zu kommen, verkauft der Bund Staatsanleihen auf den Finanzmärkten.
Woher stammen die Steuer-Euros?
Die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden erreichen gigantische Summen. 2007 waren es mehr als 538 Milliarden Euro. Branntwein-, Hunde- und Jagdsteuer tragen ihr Scherflein bei, den Löwenanteil erbringen jedoch die Steuern auf Umsatz und Einkommen
7% Gewerbesteuer
7% Energiesteuer
32% Umsatzsteuer
13% sonstige Steuern
41% Steuern von Einkommen
Was zahlen Sie?
Der Bund der Steuerzahler hat folgende Steuerbelastung für eine dreiköpfige Familie mit 48 000 Bruttojahreseinkommen errechnet. Der Mann arbeitet Vollzeit, die Frau in Teilzeit
5.559 Euro
Lohnsteuer
2.460 Euro
Mehrwertsteuer
785 Euro
Mineralölsteuer (100 Liter Benzin im Monat)
679 Euro
Andere Steuern (z.B. Kaffee-, Bier-, Tabak-, Stromsteuer)
Zukunftsweisend
Schulden senken. Für die Zukunft hat sich die Bundesregierung per Gesetz einen Sparkurs bei der Neuverschuldung verordnet. Für den Bund liegt die maximale Neukreditaufnahme bei 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – das wären heute etwa 8,5 Milliarden Euro. Die Länder dürfen ab 2020 gar keine Schulden mehr machen. So soll verhindert werden, dass ein immer höherer Anteil der Steuergelder in den Schuldendienst fließt.
Steuerflucht bekämpfen. Unehrliche Bürger schmuggeln jedes Jahr riesige Summen am Fiskus vorbei, indem sie Gelder in sogenannte Steueroasen transferieren und dem heimischen Fiskus die Einnahmen aus den angelegten Geldern verheimlichen. Letzteres dürfte in Zukunft erheblich riskanter werden. Gemeinsam mit anderen Ländern hat die deutsche Bundesregierung Druck auf Staaten wie Malaysia und die Philippinen, aber auch auf Liechtenstein und die Schweiz ausgeübt, um in Zukunft Auskunft über Steuerflüchtlinge zu bekommen.
System vereinfachen. Wie viel Steuern der Bürger bezahlt, hängt auch davon ab, ob er sich einen Steuerberater leistet und wie gut der arbeitet. Das Dickicht der Steuergesetzgebung und die Vielzahl der abzugsfähigen Posten machen es möglich. Immer wieder werden deshalb Vereinfachungen des Steuersystems angemahnt. Finanzwissenschaftler Paul Kirchhof aus Heidelberg beispielsweise vertritt das Konzept eines einheitlichen Steuersatzes von 25 Prozent bei gleichzeitiger Streichung von Ausnahmen im Steuerrecht. Im aktuellen Bundestagswahlkampf wartete die SPD mit dem Vorschlag auf, jedem lohnabhängigen Bürger, der auf die Abgabe einer Steuererklärung verzichtet, einen Bonus von 300 Euro zu zahlen.
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