J. Franklin – 33 Männer lebendig begraben
Der Überlebenskampf und die spektakuläre Rettung der 33 chilenischen Bergleute, die in der Mine San José eingeschlossen waren.

Am 5. August 2010 stürzt die chilenische Kupfer- und Goldmine San José ein. 33 Bergleute werden verschüttet. Abgeschnitten von der Außenwelt harren sie in einem Schutzraum in 700 Meter Tiefe aus, einen langen, qualvollen Tod vor Augen. Erst nach 17 Tagen gelingt es den Rettungskräften, zu ihnen vorzudringen, und eine beispiellose Rettungsaktion beginnt. Jonathan Franklin, der als einziger Journalist uneingeschränkten Zugang zum Geschehen hatte, schildert in seinem packenden Buch den dramatischen Überlebenskampf der Bergmänner.
Kurz nach 13 Uhr brach die Mine ein.
Schockwellen komprimierter Luft schüttelten die Männer durch. Ein tornadogleiches Fauchen ertönte, und Felstrümmer wurden durch die Stollen gewirbelt. Eine Schmutzwolke überzog die Männer mit einer dicken Staubschicht. Der Schmutz in den Augen brannte und machte sie blind, der Kolbenknall machte sie taub. Einige von ihnen fingen an zu beten.
Etwa 15 Bergleute hatten sich auf der Suche nach einem sicheren Ausweg durch die Staubwolke ein Stück weit bergauf vorangekämpft. Ein gewaltiger Einsturz hielt sie auf, eine Felswand blockierte den Stollen. Die Männer gerieten in Panik. „Wir drängten uns wie Schafe zusammen“, sagte José Ojeda. „Wir hörten dieses Geräusch, ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll … Es ist furchterregend, die Felsen schreien vor Schmerz …“
Als der Bergmann Florencio Ávalos mit einem Pick-up eintraf, stiegen die 15 Männer auf. Zusammengedrängt wie Flüchtlinge, krachten sie auf dem Weg bergab zweimal gegen die Stollenwand, verloren die Orientierung in diesem finsteren Chaos.
Sie fuhren blind durch dichte Staubwolken und brauchten fast eine Stunde bis zu ihrer Zuflucht, einem Schutzraum, der in den Felsen getrieben worden war. Gleich nach ihrer Ankunft schlossen sie die Metalltür im Bemühen, den Staubsturm auszusperren. Dann teilten die 33 Männer, die dort Zuflucht gefunden hatten, die Sauerstoffmasken unter sich auf. Der 50 Quadratmeter große Schutzraum war nicht viel mehr als ein Loch in der Stollenwand mit gefliestem Boden, verstärkter Decke, zwei Sauerstofftanks, einem Vorratsschrank mit längst abgelaufenen Medikamenten und einem winzigen Lebensmittellager.
Gegen 16 Uhr, etwa zweieinhalb Stunden nach dem ersten starken Krachen, war der Einsturz vorüber.
Die Männer löschten ihre Lampen, um die Brenndauer der Batterien zu verlängern. Ihr Albtraum hatte begonnen.
Die Geschichte der dramatischen Rettung der chilenischen Bergleute können Sie in Jonathan Franklins Tatsachenbericht „33 Männer lebendig begraben“ nachlesen, der im aktuellen Band unserer Buchreihe „Im Spiegel der Zeit“ erschienen ist.
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